Nehmen ist seliger denn geben

Dass die Rundfunkanstalten zum „Stamme Nimm“ gehören, dürfte selbst in entlegensten Winkeln der Republik bekannt sein. Dass es wörtlich verstanden werden muss, unterstreichen Bettelbriefe des Beitragservice.

Dass wir die Beitrags-Höhe für unangemessen halten, ist regelmäßigen Lesern dieser Seite sicher bekannt. Einige Kosten ließen sich womöglich sparen, wenn ARD und ZDF weniger Plakate, Facebook und sonstigen Nonsens für die Eigenwerbung aufwenden würde. Damit die dafür erforderlichen Geldströme verlässlich fließen können, ist Liqiudität ein hohes Gut.

Da sind unzuverlässige Tribut-Pflichtige von Übel. Die zahlen schon mal nicht pünktlich. Oder auch gar nicht. Das Cash-Cow-Modell der Anstalten schreit daher nach Optimierung. Eine ist, den potenziellen Zahlungs­verzögerer oder gar Verweigerer auf seine armselige, unstrukturiere und potenziell fahrlässig unzuverlässige Zahlungsmoral hinzuweisen.

Genau das soll ein „Bettelbrief“ des Beitragservice offenbar erreichen, der uns in einem Original zugespielt wurde. Es beginnt harmlos aber eindeutig:

Ihre Rundfunkbeiträge sind am 15.09.2016 fällig. Bitte zahlen Sie den Betrag von 52,50 EUR. Für die Überweisung haben wir ein Zahlungsformular für Sie vorbereitet.

Hier wird auf ältere Semester Rücksicht genommen, die Schreiben teilweise noch auf Schiefertafeln gelernt haben. nach dem Krieg war ja alles knapp. Das ist sehr konsequent, orientiert es sich doch an der Altersstruktur der Zuschauer. Was die Werbung der Sender eindrucksvoll unterstreicht. Wer die schaut, bekommt leicht den Eindruck, dass „ARD“ in Wahrheit die Abkürzung für „Apotheken-Rundfunk-Deutschlands“ ist.

Weil die Gefolgschaft mittlerweile so alt wird, dass beim Zahlvieh die Demenz den Zahlzwang schon mal vergessen lässt, will das Rundfunk-Inkasso vorbauen:

Möchten Sie den Rundfunkbeitrag einfach und bequem per Lastschrift zahlen?

So lautet die unverfängliche Frage. Allerdings zahlt man ja nicht mehr selbst. Richtig und ehrlich formuliert wäre:

Überlassen Sie uns schnellstmöglich ihre Kontodaten, damit wir möglichst bequem unsere, die Bedürfnisse der Zuschauer ignorierenden, monetären Interessen damit befriedigen können.

Natürlich ist für die Aufgabe aller Vetorechte ein passendes Formular beigelegt. Das läuft ggf. auch nach dem Tod weiter, bis die Hinterbliebenen kapieren, warum Omas Konto weiter abschmilzt, obwohl der Grabstein schon Moos ansetzt. Denn die Anstalten lesen zwar das Melderegister, damit ja niemand durch die Zwangszahler-Maschen schlüpfen kann.

Das Sterberegister wird nicht abgefragt. Zu deprimierend. Nicht aus Pietät, davor bewahre der Rundfunkrat — nein! Tote Gebührenzahler sind so perfekt. Die beschweren sich nicht über ständige Wiederholungen. Oder eine „Sommerpause“ der Anstalten, die entgegen den Gepflogenheiten bei anständigen Geschäftsleuten bei einem vergleichbaren Reste­rampen­verkauf keinen Preis­nachlass mit sich bringt. Trotz monatelanger Mottenkiste-Entleerung. Was in diesem Kontext im doppelten Wortsinn Leichenfledderei heißt.

Für Lebende gleich welchen Alters können wir nur empfehlen, eine womöglich eingerichtete Lastschrift-Genehmigung zu widerrufen. Einerseits, weil man dann wenigstens regelmäßig doch mal was Neues — nämlich eine aktuelle Zahlungsaufforderung — von den Anstalten bekommt. Andererseits, weil jeder bei Wegelagerern spontan die Hand schützend auf den Geldbeutel legen sollte.

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