Informationsschwund im Internet

Im Live-Stream können wir bei ARD und ZDF die Olympischen Spiele in ungewohnter Vielfalt genießen. Bei der Berichterstattung wird durch signifikante Reduktion das Erlebnis Internet unter Radio-Niveau gedrückt.

Sowohl ARD als auch ZDF unterhalten für die Spiele in Sotschi 2014 voneinander unabhängige Angebote für Live-Übertragungen von parallel stattfindenden Sportereignissen. Bei der ARD unter der Sportschau-Flagge, das ZDF hat sein Angebot in seine Mediathek eingebettet. Warum hier zweimal das gleiche Angebot unter verschiedenen Adressen, aber mit doppeltem Aufwand und doppelten Kosten gezeigt werden, ist eines der Mysterien öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Im konkreten Fall sind es sogar die gleichen Reporter, die tageweise von ARD zu ZDF und zurück wechseln.

Aber — wie der Name selbstredend sagt — ein Livestream hat den Nachteil, dass der Zuschauer zur rechten Zeit am rechten Ort sein muss, wenn er den Sportereignissen beiwohnen möchte. Wer glaubt, er könne sich die wesentlichen Informationen später aus den Nachrichtenangeboten im Internet beschaffen, ist mit einem Radio besser beraten. Denn die Nachrichten im Netz sind bei der Sotschi-Berichterstattung unter Radio-Niveau. Der Beitragszahler muss sich mit dem Hinweis abfinden, dass die Bilder aus rechtlichen Gründen nicht gezeigt werden könnten. Es gibt den Ton zum Bild und letzteres fehlt. Damit es nicht ganz so peinlich wie bei der ARD wird, werden beim ZDF die Sportnachrichten offenbar von den „heute“ Nachrichten am Ende herausgeschnitten. Jedenfalls verweist die Moderatorin nach den nicht gezeigten Bildern auf weitere Informationen am Ende der Sendung — da kommen aber keine („heute“ am 13.02.2014 um 19:00 Uhr in der Mediathek).

Im Radio ist sich der Moderator bewusst, dass der Zuhörer nichts sieht und fügt seinen Ausführungen entsprechende Beschreibungen bei. Im Fernsehen will der Betrachter genau das: etwas sehen. Wenn sich das auf „hier gibt es nichts zu sehen“ beschränkt, stellt sich unweigerlich die Frage, ob die öffentlich-rechtlichen Anstalten wirklich im Medienzeitalter angekommen sind oder uns dieses Engagement in die informelle Steinzeit zurückwirft. Denn wenn ein Bericht im Internet so angekündigt wird:

Ankündigung des Berichts aus Sotschi
und dann so etwas mit dem dem Ton der Bilder kommt:

Die Bilder vom Bericht aus Sotschi

dann fühlt sich der Nutzer der gebetsmühlenartig beworbenen Internet-Angebote der öffentlich-rechlichen Anstalten vorgeführt. Wer den Slogan mit dem zweiten sieht man besser hoch und runter spielt, aber dann nichts für das zweite Auge, ja nicht einmal das erste bietet, hat entweder einen schrägen Sinn für Humor oder ist völlig schmerzbefreit.

Das sind die alternativen Bilder des ZDF

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